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nathalie neumann
kunsthistorikerin, berlin

 

für holger dülken ist die fotografie ein wichtiger ausgleich zu seinem sonst streng ergebnisorientierten job als informatiker. in der fotografie ist alles tun ergebnisoffen, der fotograf lebt von der inspiration in der jeweiligen situation und reagiert mit seiner kreativität darauf. ergibt sich eine kreative stimmung, dann greift dülken zur kamera mit minimalistischer ausrüstung, beschränkt sich auf ein einziges objektiv, das immer eine festbrennweite hat. das erlaubt ihm, sich ganz auf seine motive und deren darstellung zu konzentrieren. diesen ansatz hat sich holger dülken aus der sozialdokumentarischen reportagepraxis angeeignet. so hat er auch die beiden sportler abraham und stieglitz vor ihrem boxkampf in magdeburg eingefangen: als die spannung bereits auf dem siedepunkt war, fixierte dülken ihr energiegeladenes wiegen vor dem krafteinsatz und bannte so die siedende stimmung auf zelluloid.


in der jüngeren vergangenheit reduzierte dülken weiterhin seine technischen mittel, um noch stärker an die atmosphärische stimmung der analogen fotografie heran zu kommen: geringe bildauflösung, geringere farbintensität, scheinbare fehlerhaftigkeit halten nur das wesentliche fest und wahren so die poesie des augenblicks. der effekt ist der eines lochbild-objektivs, das man auch an einer digitalen kamera nutzen kann. die wirkung ist überzeugend, seine fotos fesseln den betrachter, da dessen fantasie angeregt wird.

 

die bilder werden häufig ohne bildbearbeitung und in schwarz/weiß erstellt und bleiben dank dieses technischen leitmotivs der klassischen fotografie verpflichtet.


uns betrachtern vermittelt sich in den atmosphärischen aufnahmen die große vertrautheit mit der die modelle auf ihren fotografen eingehen.

die fotografien berühren, sie lassen der eigenen fantasie freien lauf, sie sind authentisch und zeigen vertrautheit, intimität und persönlichkeit. man kann ihnen die technischen mängel vorwerfen, aber immer bleiben sie atmosphärisch.

wir spüren auch die starke faszination, die das fotografieren auf holger dülken ausübt; seine inspiration, mit der die verwendete technik und das vorhandene licht in all ihrer wirkmächtigkeit ausloten und gestalten lässt.


die räumliche situation ist vergleichbar autark, das die natürlichkeit des kontextes betont. darin können sich die motive in ruhigen und entspannten posen zeigen, wird ihre natürlichkeit und individuelle schönheit betont, konzentriert sich der dialog auf den austausch mit dem fotografen und uns betrachtern. regelmäßig kommt es zum direkten blickkontakt, was die spannung erhöht. während die porträts interesse wecken, berühren die diskreten aktaufnahmen mit ihrer sanften sinnlichkeit. die lichtführung zeigt und kaschiert gleichzeitig, konturiert und verschattet, ein geben und nehmen in schwarz-weiß. ein gespräch dessen graustufen das unausgesprochene andeuten.

der rückgriff auf historische fotografiepraxis des pointillismus zu beginn des vorigen jahrhunderts, die reportage technik der humanistischen journalisten bewirken einen pointilistischen bildausdruck, sind gewollt grobkörnig und leicht unscharf, und dokumentieren in zauberhaften schwarz-weißen fotos die intime stimmung.